Kirchenlamitzer Posaunenchor beeindruckt

Die Bläser zeigen beim Festgottesdienst zum 70. Jubiläum ihr Können. Dabei wird deutlich, wie vielfältig die Instrumente einsetzbar sind.

Der Kirchenlamitzer Posaunenchor demonstrierte im Festgottesdienst unter dem Dirigat des Teams Gerd Kögler, Andrea Petrovski, Matthias Elser und Ingo Schlötzer sein ungewöhnlich großes Repertoire. Auch Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter trat ans Dirigentenpult.

Kirchenlamitz - Einer anspruchsvollen Aufgabe hat sich der Posaunenchor Kirchenlamitz in der Michaelskirche gestellt: Es galt, zwei erfreuliche Anlässe, die Kirchweih und das 70jährige Jubiläum des Posaunenchores, zu begehen. Die Mitglieder des Posaunenchores wollten dies mit einem Festgottesdienst feiern.

Mehr als eine halbe Stunde vorher konnte man die Bläser, schwarz-weiß gekleidet, mit feierlich gelbem Halstuch oder Krawatte, im Altarraum der Kirche bei einer straffen Probe antreffen. Etwaige Bedenken erster Besucher, die schon im Vorfeld die Klänge genießen wollten, erwiesen sich als unbegründet: Trotz der frühen Stunde waren pünktlich zum Glockengeläut die Bankreihen im Kirchenschiff gefüllt, ebenso zahlreiche Plätze auf den Emporen - bei einer derart großen Kirche durchaus keine Selbstverständlichkeit. Eingefunden hatten sich außer langjährigen Freunden und Begleitern des Posaunenchores auch zahlreiche Bläser aus dem Posaunenbezirk Selb-Wunsiedel: Bläser aus Marktleuthen, Schönwald, Höchstädt, Bernstein und Weißenstadt würdigten den Anlass mit ihrer Anwesenheit.

Vom ersten Akkord an unterstrich der Posaunenchor, zunächst unter dem beschwingten Dirigat des Chorobmannes Gerd Kögler, mit dem strahlend dargebotenen Eröffnungsstück in B von Walther Haffner den festlichen Charakter des Gottesdienstes. Mit sicherer Hand setzte dabei der elfjährige Ferdinand Kögler an den Pauken klangvolle Akzente. Dass er mit vollem Eifer bei der Sache war, ließ sich unschwer daran erkennen, wie freudig er im Rhythmus mitnickte. Hier wächst ein talentierter, von Wohlklängen geradezu durchdrungener Musiker heran.

Auf Besonderheiten des Jubiläumstages wies Pfarrer Markus Rausch hin: Das Fest der Kirchweihe beziehe sich in Kirchenlamitz auf die Wiedereinweihung des Gotteshauses nach dem Brand im Jahre 1837, das Posaunenchorjubiläum nicht etwa auf die Erstgründung im Jahre 1902, sondern auf die Wiedergründung von 1949. Ingo Schlötzer machte in seinen einführenden Worten auf ein außergewöhnliches Charakteristikum des Kirchenlamitzer Posaunenchores aufmerksam, das im Verlauf des Gottesdienstes für Abwechslung sorgte: Die Leitung des Posaunenchores teilt sich ein Team von vier Dirigenten (Gerd Kögler, Andrea Petrovski, Matthias Elser und Ingo Schlötzer). Außerdem sei Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter aus Wunsiedel als Gastdirigent geladen, der vor 30 Jahren mit seinem Antritt der Kantorenstelle in Kirchenlamitz für fünf Jahre die Leitung des Posaunenchores übernommen hatte.

Beim einleitenden Loblied "Du meine Seele singe" unter der ausgeglichenen musikalischen Leitung von Ingo Schlötzer teilten sich Bläser und Orgel die musikalische Ausgestaltung, wobei Christine Pickert- Martschin an der Orgel als Zeichen besonderen Jubels bei der abschließenden Strophe den hell klingenden Zimbelstern zum Einsatz kommen ließ, der besonders feierlichen Anlässen vorbehalten ist. Bei allen Kompositionen, die keine Mitwirkung der "Königin der Instrumente" erforderten, unterstützte sie den Bass mit ihrer Posaune und legte zu diesem Zweck mehrmals während des Gottesdienstes die Entfernung zwischen Orgelbank und Altarraum zurück, in der Michaelskirche eine beträchtliche Entfernung!

In seinem Einblick in die Chronik des Chores brachte Kögler eine Überraschung ein: Infolge der Neugründung durch Rudolf Olschewski, damals Hausvater im Kinderheim Löheheim, der seine Begeisterung für das Posaunenspiel aus seiner ostpreußischen Heimat mitgebracht hatte, waren zahlreiche Instrumente angeschafft worden. Diese sind im Chor noch vorhanden. Sie haben Sammlerwert und wurden inzwischen aufwendig restauriert.

In seiner Predigt zum Kirchweihpsalm 84 ging Pfarrer Markus Rausch vor allem auf das Bedürfnis ein, "dass Kirche den vielen verschieden geprägten Suchenden eine Heimat geben möge". Einen wichtigen Anteil dazu leiste auch die örtliche Bläserarbeit mit ihrem Leitsatz "Gott zur Ehre, den Menschen zur Freude".

Mit exzellent dargebotenen Bachsätzen zu "Jesu, meine Freude" trugen die Bläser den klassischen Erwartungen an Posaunenchöre Rechnung. Doch auch die Bedürfnisse der jüngeren Zuhörer wurden bedacht, und zwar in Form einer pfiffigen, hintergründigen Hinführung zum Abendmahl: Das peppige Stück "What a wonderful world", schwungvoll dirigiert von Ingo Schlötzer, war geeignet, das lebendig-fröhliche Zusammen- und Zuhausesein in der Gemeinschaft der Gläubigen hervorzuheben.

Es ist erstaunlich, wie die Bläser zum Abschluss noch genügend Ansatz zu einem schwer auszuführenden, majestätischen Bläserstück von Pezelius hatten. Mit Matthias Elser am Dirigentenpult brachten sie mit Professionalität sowohl die ausgesprochen hohen Töne als auch die außerordentlich schnellen Läufe der Zugposaunen voller Glanz zu Gehör.

Es war dem gottesdienstlichen Charakter geschuldet, dass die Zuhörer nicht wagten, Zugaben zu fordern. Bescheiden und zögerlich hoben die Bläser beim anschließenden ausdauernden Applaus ihre Instrumente zum Bläsergruß in die Höhe.

Ein durch und durch stimmiger Festgottesdienst, ganz im Sinne des Leitsatzes "Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude".

Im Nachgang des Gottesdienstes waren durchweg positive Reaktionen zu hören. Ein Konfirmand ließ vernehmen, ihm habe der Posaunenchor mehr als alles andere gefallen. Mehrere Gemeindeglieder äußerten, es sei eine große Freude, die wunderbare Bereicherung der Gottesdienste durch die Bläser wahrzunehmen.

Charis Haska