Benefizkonzert für Kenia-Projekt

Von Willi Fischer

In der evangelischen Michaeliskirche fand ein Benefizkonzert zugunsten des gemeinnützigen Vereins „Leben und Lernen in Kenia“, der seinen Sitz in Selb hat, statt. Reichhaltig ausgestaltet wurde das Konzert von dem Gospelchor „Gospeltrain“ der evangelischen Kirchengemeinde Kirchenlamitz und Instrumentalisten.

Pfarrer Markus Rausch stellte anerkennend fest, dass der Chor „Gospeltrain“ bereits seit 22 Jahren das Gemeindeleben bereichert und die Gottesdienste musikalisch ausgestaltet. Alljährlich macht der Chor mit einem besonderen Gottesdienst auf verfolgte Christen aufmerksam. Mit der Benefizveranstaltung setzt sich der Chor auch für Kinder in Afrika ein. Übernommen wurden auch Patenschaften für Kinder und Jugendliche in den Slums von Nakuru, Kenias viertgrößter Stadt im Hochland. Über die Patenschaften erhalten die Mädchen und Jungen eine Schulbildung vom Kindergarten bis zum College-Abschluss, ein warmes Mittagessen, Kleidung und medizinische Versorgung. Die Spenden aus dem Konzert werden für den Bau eines Kindergartens verwendet.

Vorstandsvorsitzende Brique Zeiner und Markus König stellten mit Schautafeln die Projekte des Fördervereins „Leben und Lernen in Kenia“ vor. Markus König erläuterte, dass die ehemalige englische Kolonie, die seit 1963 unabhängig ist, 52 Millionen Einwohner mit einem jährlichen Wachstum von einer Million zählt. Amtssprachen sind Kisuaheli und Englisch. Kenia sei ein Schwellenland mit durchschnittlich 115 Euro Monatseinkommen. In den Armenvierteln stünden meist weniger als 1 Euro am Tag zur Verfügung. Am härtesten treffe es die Kinder in den Armenvierteln. Sie sind Verwahrlosung, Hunger und Durst, ohne Chance auf Schulbildung, ausgesetzt. Der Verein versuche die Kinder aus der Armut herauszuholen und ihre Lebensbedingungen dauerhaft zu verbessern. Brique Zeiner stellte die Schule als Projekt des Vereins vor. 2014 sei mit dem Bau eines Schulzentrums begonnen worden. Dieses umfasse acht Klassenräume, Lehrerzimmer, Küche sowie Speise- und Aufenthaltsräume. Sie gab bekannt, dass in Kürze der Bau des Kindergartens mit drei Jahrgängen beginnt. Später seien noch eine Berufsschule, Bücherei und Klinik geplant. Vor Ort sind Angestellte mit Projektmanager, Sozialarbeiter und Lehrer tätig. Aktuell werden 270 Kinder im Kindergarten und an der Schule bis zur 6. Klasse betreut. Weitere 200 Kinder und Jugendliche besuchen externe Grundschulen, Gymnasien, Colleges und Universitäten. Markus König erklärte, dass es an der Schule zwei gesunde Mahlzeiten am Tag gebe. Brique Zeiner machte deutlich, dass sich der Verein auch intensiv der Gesundheitsvorsorge annimmt. So würden regelmäßige medizinische und zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Entwurmung, Vitaminversorgung und Workshops zur Zahnpflege vorgenommen. Mit Mikro-Krediten erfolge eine Betreuung durch Sozialarbeiter zum Start in die Selbständigkeit. So gebe es eine Starthilfe für Verkaufsstände für Obst und Gemüse und Secondhand-Artikel. In einer schuleigenen Näherei wird die Anfertigung der in Kenia vorgeschriebenen Schuluniformen vorgenommen. Markus König wies darauf hin, dass mit der Übernahme von Patenschaften eine wertvolle Unterstützung bis zum Ende der Schul- und Ausbildungszeit, dem Schulbesuch, der Schulkleidung, Materialien und medizinischen Versorgung geleistet werden könnte. Schon mit einem monatlichen Betrag von 20 Euro könnte ein Kind mit allem versorgt werden, was für seine Ausbildung nötig ist. Ein Pate könnte das Leben des Kindes in ganz hervorragender Weise fördern.  Brique Zeiner berichtete über die jährlichen Besuche in Kenia, bei denen man aktiv am dortigen Leben teilnehmen und sich über die erzielten Erfolge freuen könne. Sie verwies darauf, dass Spenden zu 100 Prozent für die benachteiligten Kinder in Kenia verwendet werden. 
       
Neben den 16 Sängerinnen und Sängern des Gospeltrains unter Leitung von Barbara Benker, die auch mit Klaviermusik begleitete, wirkten zur musikalischen Ausgestaltung Ulrich Heinritz mit dem E-Bass, Leonie Turba mit der Gitarre und Maddin Wenzel mit dem Schlagzeug mit.  Im ersten Teil des Konzerts waren Lieder aus verschiedenen afrikanischen Ländern, so auch aus Kenia, zu hören. Eingeleitet wurde das Konzert mit „Rejoice forever“. Darin wird nach der Übersetzung verkündet „Erfreue Dich für immer an seiner Liebe“. Aus Uganda stammt das Stück „Singa Yesu singa“ mit dem Bekenntnis „Regiere, Jesus, regiere! Du bist unser König“. O ja ich weiß „Die Freiheit/Jesus kommt“ ließ das Lied „Freedom is coming“ erkennen. „Rakanaka vangeri“ erklang mit einem Song aus Simbabwe, darin heißt es nach der Übersetzung „Die frohe Botschaft ist gut; immer wieder sage ich Dir, sie hat Kraft“. „Wir preisen Gott, dem Herrn“ hieß es in dem Song „Masithi Amen“ aus Lesotho. „Wir sind das lodernde Feuer, wir brennen“ lautete das Bekenntnis in „Thina singu“ des Zulu-Stammes. „Wir marschieren in Gottes Licht“ hieß es in „Sia Hamba“ aus Südafrika. „Höre die Musik meines Herzens“ lautete die Bitte in dem Song „Sikiliza“. In der südafrikanischen Nationalhymne „Nkosi sikelei iAfrika“, die in verschiedenen afrikanischen Sprachen, wie auch Suaheli, gesungen wird, kommt der sehnliche Wunsch zum Ausdruck, der heute aktueller denn je ist: „Herr, segne Afrika! Beende die Kriege und Zwistigkeiten! Beschütze Dein Volk, Volk von Südafrika.“ Selbstbewusst verkündet der Song „Lasst uns leben und kämpfen für die Freiheit in Südafrika, unserem Land!“ In dem Lied „Move, Spirit, move“ heißt es „Bewege, Heiliger Geist, setze meine Seele in Brand, regne auf mich den ganzen Tag.“ Hoffnungsvoll: „Er wird unsere Tränen trocknen, er wird unsere Ängste beruhigen, sei unsere Stärke, an der wir uns festhalten können!“ Mit „Wind of Change“ kam eine beliebte Melodie zu Gehör. Auch darin wird der Friedensgedanke symbolisiert mit „Der Wind der Veränderung bläst geradewegs ins Gesicht der Zeit wie ein Sturm, der die Freiheitsglocke für den Frieden der Gedanken läuten wird.“ Gottvertrauen spricht aus dem Songtext „I have my Lord“: Vertraue ihm und sorge Dich nicht, er wird Deine Sorgen in Freude umwandeln. Es folgte ein weiterer Song mit dem Titel „Sing, praise and shout to the Lord“. Sehr emotional vorgetragen wurde das bekannte Lied „An Angel“ (ein Engel) der berühmten Kelly Familie. Das Lied ermunterte die Konzertbesucher zum rhythmischen Mitklatschen. Zuversicht verspricht der Song auch bei nahender Gefahr: „Aber es naht die Gefahr, die versucht uns Angst zu machen, aber wir fürchten uns nicht“. 

Eindrucksvoll wurde „Baba Yetu“, das „Vater unser“ auf Suaheli, vorgetragen. Von Michael Jackson sang der Gospelchor „Heal the World“. Darin heißt es: „Denke über die Generationen nach und darüber zu sagen, dass wir für unsere Kinder und Kindeskinder die Welt verbessern wollen, sodass sie wissen, dass sie in einer besseren Welt leben und darüber nachdenken, ob sie sie verbessern können.“ Der sehnsüchtige Wunsch: „Heile die Welt, mach` daraus einen besseren Ort für Dich und für mich und die ganze menschliche Rasse!“

Der Gospelchor verstand es vorzüglich mit der hervorragenden musikalischen Begleitung die Songs rhythmisch lebendig vorzutragen. Man spürte förmlich das Temperament der afrikanischen Wurzeln. Reicher Beifall belohnte die Chormitglieder und Instrumentalisten. Die geforderte Zugabe erfüllte das Ensemble bereitwillig mit „Halleluja“.