Musik verbindet und überwindet alle Grenzen

Das Benefizkonzert in der evangelischen Michaeliskirche zeigte dies sehr deutlich.
Text und Fotos: Willi Fischer
Empfangen wurden die Konzertbesucher von der Bläsergruppe mit dem Intro „Highland Cathedral“, einer Melodie, die ihren Siegeszug in die Herzen der Welt und auch in Kirchenlamitz angetreten hat. Pfarrer Markus Rausch freute sich über den zahlreichen Besuch. Darunter auch Bürgermeister Thomas Schwarz mit Ehefrau Iris, die Kirchenvorsteher, Stadträte und Rektor Martin Bergmann von der Grund- und Mittelschule. Anerkennend stellte er fest, dass der Unterstützerkreis der evangelischen Kirche mit der Städtischen Musikschule dieses Konzert mit vielen Mitwirkenden initiiert hat. In dem altehrwürdigen Kirchengebäude würden Musikstücke erklingen, die man seit langem nicht zu hören bekommen hat. Der Geistliche erinnerte daran, dass sich der Unterstützerkreis an dem Integrationsprojekt „Demokratie leben“, einer Förderinitiative der Bundesregierung, beteiligt habe. Es werde angestrebt, diese Förderung fortzuführen. Barbara Benker habe sich sehr für die Realisierung des Projekts eingesetzt. Mit Spenden aus dem Benefizkonzert solle diesem Personenkreis eine Teilnahme am Musikschulunterricht ermöglicht werden. Nicht ohne Stolz hob der Geistliche hervor, dass Kirchenlamitz hier ein Alleinstellungs-Merkmal besitze, dass sowohl Flüchtlingskindern als auch einheimischen Bedürftigen eine Musikausbildung ermöglicht werden solle.
Eine besondere Note erhielt das Konzert mit der Moderation durch Philipp Spiegel aus Hof, Redakteur bei TVO Oberfranken (Fernsehen Oberfranken) und Oberfränkischer Medienpreisträger. Der talentierte Sprecher macht selbst gerne Musik und lockerte das Programm durch Interviews mit den Mitwirkenden auf. 
Schwungvoll agierte der Gospelchor unter der Leitung von Barbara Benker. Zu hören waren die Stücke „An Angel“ der Kelly Family, „Rejoice forever“ von Jörg Wöltche und „Hallelujah“ von Leonhard Cohen unter Gitarrenbegleitung von Nicolas Thiem. Als „Überfliegerin“ entpuppte sich Monika Gärtner mit ihrem Song „Über von Wolken“ von Reinhard Mey mit Gitarrenbegleitung. Das Publikum ließ sich auch zum Mitsingen animieren. So erklang es in der Kirche stimmgewaltig: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man blieben darunter verborgen und dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Bei dem weiteren Stück „Country Roads“ kam so richtig Bewegung in die Kirche, es wurde rhythmisch mitgeklatscht.
Das Gitarren-Quartett der Musikschule widmete sich der bayerischen Volksmusik, die von Alend Abdulaziz, Jonas Lippold, Lena Schlegel und Musikschulleiter Gerhard Wunderlich interpretiert wurde. Als Sängerin präsentierte sich die 16-jährige talentierte Musikschülerin Lana Abdulaziz aus dem Irak mit dem Gesangsstück „Ein schöner Tag“ von Lena Valaitis unter Zitherbegleitung von Gerhard Wunderlich. Die Kirche erfüllte der wohltuende Klang von beliebten volkstümlichen Stücken, die zu Herz und Gemüt gingen, gespielt von einem Meister auf der Zither, dem Musikschulleiter Gerhard Wunderlich mit „Almawasser’l“ aus dem Pinzgau, der beliebten Melodie „Der Weg zum Herzen“ von Georg Freundorfer, „Tears in Heaven“ von Eric Clapton und „Stand By Me“ von Ben E. King. Bei dem Interview mit Philipp Spiegel war zu hören, dass Gerhard Wunderlich 1966 seine erste Zither bekommen hat. „Und diesem Instrument bin ich treu geblieben“, bekannte der Zithervirtuose aus Leidenschaft. Er erklärte, dass man mit der Zither alles spielen kann, sowohl volkstümliche Stücke als auch Melodien von den Beatles. Gerhard Wunderlich überzeugt: „Die Zither hat Zukunft!“ Es zeigt sich, dass das Zitherspielen Interesse findet. Er kündigte an, dass im März ein Zither-Schnupperkurs stattfindet.
Musikschulschülerin Kenana Almahamid aus Syrien brachte am Klavier die Stücke „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus „Don Giavanni“, den „Holzschuhtanz“ und „Hoch lebe das Klavier“, beide von Hans-Günter Heumann, zu Gehör. In nichts nach stand Farhad Abdulaziz aus dem Irak mit den Klavierstücken „O when the saints go marching in“ und „Freude, schöner Götterfunken“ aus „Ode an die Freude“. Talentiert Nicolas Thiem, der seit zwölf Jahren Gitarre spielt und in der Musikschule angefangen hat. Sein Gitarrenspiel begleitete er mit dem Gesang seiner harmonisch warmen Stimme. Er begeisterte mit „So muss es beginnen“ von Olli Schulz“, „Hero“ von Foo Fighters und „Du bist anders“, einem Lied aus dem neuen Album von Annen May Kantereit.
Bei dem Konzert war auch die Gruppe „The Oldschool“ vertreten. Diese tritt sonst zu Tanzveranstaltungen und in Bierzelten auf. In Kirchenlamitz wird sie am Wiesenfest-Montag, 15. Juli 2019, ihr Debüt geben. Der gemeinsame Auftritt in der Kirche mit dem Gospel-Chor brachte eine bunt gemixte Abwechslung. Zur Aufführung kamen in der Kirche Stücke der amerikanischen Country-Rock-Band Eagles. Diese wurde 1971 in Los Angeles gegründet und zählte ein Jahrzehnt lang zu den erfolgreichsten amerikanischen Gruppen führenden Protagonisten der als West Coast Music bezeichneten Stilrichtung der 1970er Jahre. Die Musiker von „The Oldschool“ aus Kirchenlamitz, Röslau und Marktleuthen, Horst Mayer, Thomas Gräf (Gitarre), Winnie Hanke (Cajon, eine Art Mini-Schlagzeug), Uwe Hermann (Akustikbass) und Stefan „Ship“ Ganzmüller (Hammondorgel und E-Piano) sind in der Region seit Jahren in den verschiedensten Besetzungen bekannt.  Die Stücke der Eagles-Rockband trugen die Titel „Take ist Easy“, „Tequila Sunrise“ und „Peaceful Easy Feeling“. Von der Rockband „The Doobie Brother“, die 40 Millionen Alben verkauft hat, wurde „Listen To The Music“ gespielt. Zu Ehren kamen auch die Beatles mit dem von Paul Cartney komponierten Lied „Let lt Be“ (Lass es geschehen), das gemeinsam mit dem Gospelchor zu Gehör kam.
Beeindruckend das gemeinsame Finale mit „We are the world“. Der Text in der deutschen Übersetzung bringt folgendes zum Ausdruck: „Es kommt die Zeit, wenn wir einen bestimmten Aufruf brauchen. Wenn die Welt als Ganzes zusammenkommen muss. Es sterben Leute; oh, und es ist Zeit dem Leben zu helfen. Das größte Geschenk von allen: Wir können uns nicht Tag für Tag weiter vortäuschen, dass irgendjemand, irgendwie bald etwas verändern würde. Wir sind alle ein Teil von Gottes großer Familie, und die Wahrheit ist, wie Du weißt, Liebe ist alles was wir brauchen.“ Mit tosendem Applaus forderten die Besucher zu einer Zugabe heraus, die bereitwillig erfüllt wurde.
Das Konzert diente nicht nur einem wohltätigen Zweck, sondern war zugleich eine ausgezeichnete Werbung für die Musik und deren Ausbildung in der Musikschule. Dabei ließ das Konzert deutlich erkennen, welch hervorragenden Talente aus der Musikschule hervorgegangen sind. Die Vielseitig der Musikrichtungen, die sich von Romantik über Klassik bis hin zum Rock erstreckte, brachten eine gelungene Abwechslung und ging so richtig ins Blut und riss das Publikum mit. Die Freude an der Musik war bei diesem Konzert so groß, weil die Zuhörer wussten, dass sie Flüchtlingen und Kindern, deren Eltern nicht so begütert sind, zur Ausbildung und Freude der Musik verhelfen können. Es muss festgestellt werden, dass es einen besseren Beitrag zur Integration nicht geben kann. Bei dieser gelungenen Aktion weiß zudem jeder, dass jeder Cent an der richtigen Stelle ankommt. Es war eine gute Tat, in die alle integriert waren: Die Mitwirkenden mit ihren abwechslungsreichen Darbietungen und die Zuhörer mit ihrem dankbaren und reichhaltigen Applaus und den ebensolchen Spenden. Der Kommentar eines Besuchers bringt es treffend auf den Punkt: „Es war wunderschön in welchem Gleichklang alle musiziert und gesungen haben und damit das Konzert zu einem Geschenk für die Musikausbildung gemacht haben. Kirchenlamitz kann stolz auf eine solche Initiative zur Nächstenliebe sein.“  
Pfarrer Markus Rausch beeindruckt: „Es ist fantastisch, was in Kirchenlamitz für Talente vorhanden sind. Es ist bezeichnend, wie viele Grenzen unsere Flüchtlinge überschreiten mussten, um Aufnahme in einem sicheren Land zu finden.“ Der Geistliche bekannte, dass Musik etwas ist, das über Grenzen hinweg verbindet. Sein Dank galt allen Mitwirkenden für ihren vorbildlichen Einsatz. Einen besonderen Dank sprach er André Schlötzer aus, der alles hinter den Kulissen so hervorragend vorbereitet und arrangiert hat. Auch Moderator Philipp Spiegel bat darum das beispielgebende Vorhaben nach Kräften zu unterstützen. Den Mitwirkenden rief er zu: „Es war grandios, ihr wart der Hammer!“
Am Ausgang füllten sich danach die Körbchen bald mit jeder Menge von Geldscheinen. Es ist zu wünschen, dass das Konzert die Erwartungen auch in finanzieller Hinsicht erfüllt. Dabei hat jeder noch die Gelegenheit das Vorhaben durch eine Spende im Pfarramt oder durch Überweisung mit dem Hinweis „Benefizkonzert“ zu unterstützen.