Gemeindefahrt am 5. Oktober 2017

Gemeindefahrt nach Tschechien

Regenwolken des Sturmtiefs "Xavier" ließen nicht erahnen, was wetter- und erlebnisbedingt unser Gemeindeausflug nach Tschechien bringen wird. So wurde ein Dankeslied angestimmt (und nicht "Morgenlicht leuchtet"). Und – bei Erreichen unseres ersten Reiseziels, Kloster Tepl, – schien die Sonne!

Die 50 Teilnehmer des vollbesetzten Reisebusses der Firma Gründl und ihrem eloquenten Fahrer Michael Ziegler erlebten eine versierte Zeitreise über die Historie des Prämonstratenser-Klosters Tepl: Im 13. Jh. vom Gaugrafen und späteren Märtyrer Hroznata von Ovenec aufgrund eines Gelübdes an Papst Innozenz III. gegründet, wurden zur Besiedlung des Klosters 12 PrämonstratenserMönche eingesetzt, um religiös und kulturell zu wirken (fortschrittlichste Ordensgemeinschaft im frühen Mittelalter - Lateinschule).

Das Kloster wurde mehrfach ausgeplündert durch Raubzüge der Hussiten, im 30-jährigen Krieg und im Schlesischen Krieg. Dennoch entwickelte es sich zu einem Mittelpunkt der Kunst, Wissenschaft und Kultur in der Region. Die Bibliothek wurde erweitert und gilt heute als nationale, kulturgeschichtliche Sehenswürdigkeit. Johann Wolfgang von Goethe stiftete dem Museum seine Mineraliensammlung.

Anfang des 20. Jh. und aufgrund des Münchner Abkommens 1938 blieb das Kloster von Zerstörungen im 2. Weltkrieg weitgehend verschont. Nach 1948 begann durch die kommunistische Regierung in Prag eine systematische Liquidierung der katholischen Kirche und damit die Enteignung von Klöstern und Kirchen. Russische Truppen plünderten die Gebäude und benutzten das Kloster als Kaserne. Dem Verfall war Tür und Tor geöffnet.

Erst 1991 regte sich wieder Ordensleben in Tepla und die Renovierung soll bis dato 15 Mio. US-Dollar gekostet haben.

Bewundernswert ist die Klosterkirche mit ihrem verbogenen Turmhelm. Seit dem 01. Juli 2008 ist Stift Tepl ein nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik.

Das Mittagessen im Schlossbereich Kynzvart (Königswarth), unser 2. Reiseziel, war zufriedenstellend und der Verdauungsspaziergang führte uns durch die Räumlichkeiten des Schlosses: Sein heutiges Aussehen im Stil des Wiener Klassizismus erhielt das Schloss unter Fürst Metternich, dem österreichischen Staatskanzler und eine der wichtigsten Personen des Wiener Kongresses. Metternich bekam das Schloss als Geburtstagsgeschenk von seinem Vater.

Frau "Eva", die Fremdenführerin, erläuterte uns einfühlend und inhaltsreich das frühere Leben im Schloss Kynsvart. Sehenswert die wertvolle Bibliothek, naturwissenschaftliche Sammlungen, alte ägyptische Denkmäler, das Malachit-Zimmer und Kunstgegenstände aus dem Orient ließen Einblicke auf die Feudalherrschaft früherer Zeitgenossen Revue passieren. Schloss Kynsvart ist seit 2008 europäisches Kulturerbe.

Der Vorschlag unseres "Piloten" Michael, einen Abstecher zum Kaiserwald und zur "Glatze" (ein bekanntes Hochmoorgebiet) mit Kaffee-Einkehr in Marienbad zu machen, wurde dankbar aufgenommen. Trotz Stromausfall einiger Cafés in Marienbad kamen alle in den Genuss heißer (und auch kalter!) Getränke.

Die abendliche Einkehr im Gastwirtschafts-Metzgerei-Betrieb "Obst" in Pechbrunn war der krönende Abschluss eines wunderbaren harmonischen Tagesausfl ugs unserer Kirchengemeinde. Selbstverständlich wurden auch die angebotenen Dosenprodukte der Metzgerei gekauft, sodass unser Pfarrer Markus Rausch sich zu dem Fazit hinreißen ließ: "Die bisherigen Ausfl üge waren gekennzeichnet von geistigen und sehenswerten Inhalten - bei diesem Ausfl ug kamen noch materielle dazu".

Als Michael seinen Bus Richtung Heimat lenkte und die Marktleuthener, Großwenderner, Niederlamitzer und Kirchenlamitzer das Lied "Abend ward, bald kommt die Nacht" anstimmten, waren sich alle einig und dankbar darüber, einen schönen Tagesausfl ug erlebt zu haben. Frank Silber