Die Bergpredigt

Der Kirchenlamitzer Hausberg Epprechtstein war der markante Ort zu einer Bergpredigt, die gut besucht war. 

Pfarrer Markus Rausch von der evangelischen Kirchengemeinde warb in seiner bemerkenswerten Predigt zwischen Granitblöcken und der steinernen Burgruine für einen felsenfesten Glauben. Unter freiem Himmel erinnerte er die zahlreichen Gläubigen auch daran, dass sie gute Gründe haben, dem Herrgott dankbar zu sein. Sie dürfen hier in Frieden leben und arbeiten. Hinzu komme eine herrliche und gesunde Landschaft, in der andere gerne Urlaub machen.

In seiner Predigt nahm Pfarrer Markus Rausch auch persönlich Stellung zur „Ehe für alle“, die von einer großen Mehrheit des Bundestages beschlossen wurde. Er habe sich selbst schon lange zuvor zu diesem Thema Gedanken gemacht.

In seinem „Kollektengebet“ führte der Geistliche aus „Gott im Himmel, wir danken dir für unsere Welt, unsere Umwelt, das Fichtelgebirge, indem wir leben dürfen, das uns zugleich Arbeit und Broterwerb, aber auch Freizeit und Erholung bietet. Wir dürfen hier leben, wo andere gern Urlaub machen. Wir dürfen es genießen, die Natur direkt vor unserer Haustür zu haben. Wir spüren die Verbundenheit mit unserer Region, mit der Natur, mit den Menschen, die bodenständig, fleißig und bescheiden sind. Wir wissen, dass wir von dem leben, was du uns schenkst und wachsen lässt, auf dich und deinen Schutz Segen angewiesen sind. Gott, hilf uns, hier im Fichtelgebirge unseren Glauben einladend und authentisch zu leben, anderen Menschen gastfreundlich zu begegnen, nicht nur den Touristen, die Geld mitbringen, sondern auch den Menschen, die unsere Hilfe erhoffen und darauf eingewiesen sind.“

Angesichts der felsigen Umgebung brachte der Geistliche zum Ausdruck: „Es wäre schön, wenn jeder von uns sagen könnte: Ja, ich bin im christlichen Glauben festverwurzelt.“ Dazu stellte er die Frage: „Was passiert, wenn ein Baum nicht fest genug verwurzelt ist?“ Dazu sagte er, dass bei den Orkan-Böen Kyrill 2007 und Emma 2008 im Wald eindringlich die verheerenden Folgen zu sehen waren. So stand im Kirchenwäldchen gleich hinter der Schule kein einziger Baum mehr, zumindest kein Nadelbaum. Nur ein paar Birken haben den Sturm überstanden. Ein trostloser Anblick blieb zurück. Dazu verglich er, was passiert, wenn ein Menschen nicht fest genug verwurzelt ist und die Stürme über ihn hinwegfegen. Er stellte fest, dass es Menschen gibt, die entwurzelt sind wie ein Baum. Wobei „entwurzelt“ viel heißen kann:

·         Es kann heißen, dass Menschen – aus irgendwelchen Gründen – heimatlos geworden sind, nicht mehr wissen, wo sie hingehören

·         Es kann bedeuten, dass Menschen die Bodenhaftung verloren haben, dass sie abgehoben, hochnäsig und arrogant geworden sind

·         Einen Menschen als „bodenständig“ zu bezeichnen ist bei uns immer noch ein großes Kompliment

·         „Entwurzelt“ heißt aber abgeschnitten, abgeschnitten zu sein, nicht nur vom eigenen Wurzelgrund, sondern auch von den eigenen Kraftquellen

Zu der Frage „Was gibt uns Halt und Stabilität, so dass wir felsenfest im Leben stehen?“ stellte Pfarrer Rausch fest: „Ein Mensch, der seinen Glauben verloren hat, ist für mich wie ein entwurzelter Baum.“ Ein solcher Mensch habe ein Fundament im Leben verloren, ist wie abgeschnitten von seinem Wurzelgrund und seinen Kraftquellen. Der ist hilflos den Stürmen des Lebens ausgesetzt. Der habe weder selbst die Fertigkeit, Standfestigkeit, noch könne er einem anderen Menschen Halt und Festigkeit geben. Der Geistliche ging auch auf die Frage ein, was dies für die Kirche bedeutet. Seine Antwort ließ aufhorchen. „Es sind nicht die unverrückbaren Prinzipien, die immer gleichbleibenden ethischen Wertmaßstäbe, die dafür sorgen, dass wir als Christen Halt finden und dass unsere Kirche überlebensfähig bleibt. Es ist auch nicht der felsenfeste Glaube an irgendwelche Glaubenswahrheiten – es ist der Mut des Petrus, auf Menschen zuzugehen, neue Wege zu beschreiten, in dem Bewusstsein, auch einmal Fehler zu machen und sich zu irren. Und das ist mir nicht erst in der gegenwärtigen Diskussion, ob die sogenannte ‚Ehe für alle‘ mit den biblischen Grundsätzen vereinbar ist, klargeworden.“

Pfarrer Rausch bekannte: „Ich liebe die Theologie und bin mit Leidenschaft Theologe, aber manchmal muss ich leider zugeben, dass Nicht-Theologen manche Sachverhalte viel besser und schneller auf den Punkt bringen. So zum Beispiel der französische Schriftsteller Albert Camus, der einmal sagte: ‚Seine Grundsätze soll man für die wenigen Augenblicke in seinem Leben aufsparen, in denen es auf Grundsätze ankommt, für das meiste genügt ein wenig Barmherzigkeit‘“.

Bemerkenswert: Nach der Bergpredigt fand im Löheheim noch ein Benefizessen statt. „Essen für einen guten Zweck“ hieß es dazu. Mit tatkräftiger Unterstützung von Marcel und Heike Peters vom Turnerheim lud der Unterstützerkreis „Flüchtlinge“ zu diesem Benefizessen ein. Die syrischen Flüchtlinge, die in Kirchenlamitz in Frieden und gesicherten Verhältnissen leben können, sorgten für den Nachtisch. Die Spendeneinnahmen sollen der leidenden Bevölkerung im Bürgerkriegsland Syrien zugutekommen.

Von Willi Fischer